Und ewig droht die Selbstwertkeule

Das Beitragsbild zeigt die Hafencity. Ich mag diesen Stadtteil, weil er unfertig ist. Das Gesicht dieser dynamischen Stadt Hamburg verändert sich andauernd. Und das ist auch gut so. Ich finde, Veränderung ist etwas, was das Leben ausmacht. Wenn man stagniert, dann fühlt sich das oft so an, als würde man in einer Falle sitzen aus der man nicht herausfindet. Auch als Mensch ist man nie fertig. Wir haben die wunderbare Eigenschaft uns permanent zu verändern, anzupassen, zu entwickeln und dazuzulernen. Und oft ist dies sogar dringend notwendig. Beispielsweise, wenn wir ungünstige Denkmuster bewältigen müssen. Und viele Denkmuster haben mit grundlegend negativen Überzeugungen über unsere Person zu tun. Wir denken sie oft nicht bewusst, sondern sie arbeiten zumeist im Hintergrund. Wir halten diese Überzeugungen für die Wahrheit und deshalb hinterfragen wir sie nicht. Aber genauso wie alte Gebäude, die ihren Nutzen schon lange verloren haben, kann man alte Denkstrategien renovieren oder abreißen und neu bauen.

Vielleicht habe ich einen Korb bekommen oder meine Arbeit findet nicht die Anerkennung, die ich erhofft hatte. Das Leben ist so. Wer hier in der Situation bleiben kann und sachlich reflektiert und analysiert, was hier passiert ist, der ist im Vorteil. Wer einen guten Freund hat, um die Situation zu besprechen, bekommt vielleicht eine gute zweite Meinung. Doch jeder Mensch hat seine Denkfallen und emotionalen Muster und wird auch immer wieder darauf hereinfallen. Es ist deshalb sehr wertvoll diese zu erkennen, um nicht von der Selbstwertkeule getroffen zu werden, die ansonsten gnadenlos ein negatives Urteil über uns fällt. Gedanken wie „Ich habe Mal wieder versagt.“ oder „Ich bin nicht liebenswert.“ verbunden mit Verunsicherung oder Traurigkeit sind womöglich ein Indiz für eine gelernte Bewältigungsstrategie, die aktuell keinen Sinn mehr erfüllt. Vielleicht war es in der Kindheit und Jugend wichtig, um die Liebe und Anerkennung naher Bezugspersonen zu kämpfen und man hatte keine andere Chance, als alles zu geben und vielleicht war das trotzdem nie genug. Auch ein Gedanke wie „Ich kann das nicht.“ sollte reflektiert werden, wenn er nicht gut begründet werden kann. Vielleicht hat er seine Geschichte, die aber keinen Bezug mehr zur Gegenwart hat.

Nicht jeder Mensch wird einen lieben und nicht jede Arbeit kann ein voller Erfolg werden. Aber in der Regel bin ich deswegen kein schlechter oder unzureichender Mensch oder ein Loser. Ich habe bislang in keiner Biografie eines erfolgreichen oder außergewöhnlichen Menschen eine runde und einfache Erfolgsstory gelesen. Selbstzweifel, Scheitern und Niederlagen gehören vermutlich dazu, wenn man sich weiterentwickelt. Vielleicht ist das der Preis, den wir für Lebenserfahrung und Weisheit zahlen.

Bettina Meier

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