Dinge geregelt kriegen – Teil 1

… oder wie ich meine Ziele erreiche.

Mit unseren Zielen ist das so eine Sache. Wir sind schnell dabei uns Ziele zu setzen: mehr Sport, weniger Süßkram, richtig viel Geld verdienen, mit dem Rauchen aufhören etc. Und oft erleben wir, dass es über den Vorsatz nicht weiter hinaus geht. Ein Paradebeispiel sind die die guten Vorsätze für’s neue Jahr. Da die häufig gleich zum Scheitern verurteilt sind, sollte man sich die eh sparen. Das sind unnötige Enttäuschungen, die dem Selbstwert nicht zuträglich sind.

Bei einem neuen Ziel ist das wie mit einem guten Rezept für ein leckeres Gericht. Es besteht aus vielen unterschiedlichen Zutaten, die auf sehr bestimmte Art und Weise verarbeitet werden wollen und alle sind wichtig. Wenn nur eine Zutat fehlt oder die Zubereitung Fehler aufweist, dann schmeckt es nicht. Und jeder weiß, dass aufwendig zu Kochen anstrengend ist, Zeit und Geld kostet und auch der Abwasch danach erledigt werden muss. Will ich also in den Genuss eines guten Essens kommen, dann bezahle ich  einen Preis, der es mir wert sein muss. Außerdem gehe ich ein Risiko ein, denn es kann trotzdem passieren, dass eine Zutat verdorben ist oder ich beim Kochen einen dummen Fehler mache oder einen Moment nicht aufpasse.

Gar nicht so anders ist das mit unseren Zielen. Ein wichtiger Motor von Veränderung ist unsere Motivation. Oft setzen wir uns Ziele, die ganz nett sind und ethisch toll und so, aber eigentlich sind wir nicht bereit den Preis zu zahlen. Beispiel Sport. Das eigentliche Ziel dahinter ist oft Gewichtsverlust und Steigerung der Attraktivität durch Formung eines muskulösen Körpers. Also stimmt hier bereits die Zielformulierung nicht. Kaum einer ahnt, welchen Preis er dafür zahlen muss. Damit meine ich nicht den monatlichen Mitgliedsbeitrag im Fitnessstudio. Der Preis besteht aus vielen kontinuierlich über die Monate erbrachten Stunden, in denen man echt anstrengenden Sport macht, d.h. sich auspowert, den Puls bis zum Hals schlagen spürt und trotzdem noch eine Schippe drauflegt, immer und immer wieder. Soviel harte Arbeit setzt man nur ein, wenn man eine sehr starke Motivation hat. Und wenn dies kombiniert wird mit einer Ernährungsrestriktion, dann ist der Misserfolg vorprogrammiert, weil unser Körper nach Nahrung verlangt, und auch die Willenskraft nachweislich Kalorien verbraucht und bei Hunger ganz klein und schwach wird.

Also setzt man sich am besten ein ehrliches Ziel, das positiv formuliert wird. Und dann überlegt man sich in aller Ruhe, ob dieses Ziel wirklich die höchste Priorität für einen hat. Mit dem Rauchen aufhören ist übrigens keine positive Zielformulierung. Da will man weg von etwas und stupst sich doch mit dieser Formulierung beständig Richtung Glimmstengel. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als Jungtherapeutin dazu verdonnert war Raucherentwöhnungsgruppen abzuhalten. Ich hatte danach immer ein extremes Verlagen eine zu Rauchen, was ich auch tat. Keinen Lungenkrebs zu bekommen ist ebenfalls kein attraktives Ziel. Vorstellbar ist vielmehr ein Leben, das insgesamt attraktiver wird, weil ich nicht nach zwei Stockwerken Treppen steigen huste und nach Luft ringe, weil ich das Essen wieder schmecke, weil ich mich fit und vital fühle, weil niemand mehr im Bus aufspringt, um mir schnaufender Kreatur mitleidig einen Platz anzubieten. Wo will ich hin? Wie will ich leben? Worauf will ich zukünftig stolz sein? Wenn ich mir mein Ziel klar visualisieren kann, wenn ich weiß, wofür ich das tue, dann steigt die Erfolgsaussicht. Dann habe ich einen Gegenentwurf in meinem präfrontalen Kortex zum rauchigen die Lungen verklebenden Sargnagel, der mir von jeder lächerlichen Plakatwand entgegenspringt. Und den brauche ich, denn ich selber kenne den total verklärten Sonnenuntergang am Strand mit einem Glas Wein und … einer Zigarette.

Habe ich genügend Motivation und eine positive Visualisierung meines Ziels, dann kann ich daran gehen, die nächsten konkreten Schritte zu planen, sie im Verhalten zu verankert und über gezieltes Wiederholen über Wochen zu etablieren. Menschen, die ihr Verhalten erfolgreich verändern, haben einen langen Weg hinter sich und ausdauernd an sich gearbeitet. Sie verstehen es vermutlich auch, ihre Ressourcen und Stärken zu aktivieren. Die gute Nachricht, das kann jeder lernen.

Viel Erfolg!

Bettina Meier

Veröffentlicht von

www.bameier.de

... ich arbeite mit Klienten, Paaren, Gruppen und Teams, ich halte Vorträge, Seminare und Workshops. Anfragen gerne per E-Mail an info [ät] bameier.de

Schreibe einen Kommentar