Achtsamkeit für Newbies

Heute ist es mir wieder aufgefallen. Ich bin viel zu unachtsam. Mit tausenden Gedanken beschäftigt, ohne mich wirklich im gegenwärtigen Augenblick zu befinden. Ich weiß auch genau warum. Das werde ich nicht schreiben. Aber ich kann etwas tun, um mich wieder in Balance zu bringen. Ich setze mich in besonderer Weise an einen ausschließlich dafür vorgesehenen Ort in meiner Wohnung für circa 20 Minuten hin.  Das tue ich in gewisser Regelmäßigkeit seit dem Sommer 2009. Um nicht auf die Zeit achten zu müssen, stelle ich mir entweder meinen Wecker oder zünde ein Räucherstäbchen an. Letzteres mache ich selten, weil ich es nicht mag, wenn meine Wohnung wie ein Esoterikladen zu riechen beginnt. Und genau das werde ich jetzt machen…

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Am Anfang toben die Gedanken wie ein Sturm. Ich muss beständig aufpassen, nicht auf den ein oder anderen Gedankenzug aufzuspringen. Meine ganze Konzentration richte ich darauf im Moment zu bleiben. Der Geist ist in permanenter Unruhe. Und dann zwickt es hier und da im Körper. Meine Nase juckt plötzlich und dann ertappe ich mich dabei, wie ich den zeitlichen Ablauf des Seminars am morgigen Tag plane. Ich habe meine Routine beim achtsam sein. Ich beginne mit den Vorbereitungen. Zünde die Kerze an und dann das Räucherstäbchen. Vor mir steht eine Klangschale, die ich, sobald ich auf dem Kissen sitze, anschlage. Ich lausche mit aller Kraft bis ich nichts mehr hören kann. Dann wandere ich mit meiner Aufmerksamkeit durch meinen Körper von den Füßen bis zum Kopf. Schließlich zähle ich meine Atemzüge von 1 bis 10. Danach sehe ich. Auf das glimmende Räucherstäbchen, die Kerze, die runden kleinen Kieselsteine vor mir auf dem Tischchen. So, als würde ich diese Dinge zum ersten Mal betrachten. Dann höre ich. Die Geräusche, die durch das offene Fenster von der Straße heraufziehen. Meine Sinne werden alle einzeln geschärft. Ich rieche, ich spüre. Zuletzt weite ich meine Aufmerksamkeit und versuche alle Wahrnehmungen, innere wie äußere, zu fassen. Absichtslos, gelassen und ruhig. Ruhe ist das, was sich häufig nach einer Weile einstellt. Alles wird klar wie ein Bergbach – die Gedanken, die Sinneseindrücke. Keine Achtsamkeitsmeditation ist wie die andere. Manche fallen mir leicht, manche fallen mir sehr schwer. Doch sehr oft bin ich danach sortierter und ausgeglichener. Es lohnt sich.

Gute Nacht

Bettina Meier

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